Meine Geschichte…

beginnt 1992 in Georgien. Ich werde mitten im Bürgerkrieg geboren. Meine Eltern flüchten sehr bald nach Ungarn und erhoffen sich ein besseres Leben in Europa. Dort werde ich mit 5 Jahren eingeschult, gefördert und besuche bis 1998 die ungarische Grundschule. Aufgrund der feindseligen Einstellung gegenüber uns als “Migranten”  beschließen meine Eltern dann wieder, von Budapest nach Tiflis zurückkehren. Die Unsicherheit und Korruption vor der Rosenrevolution veranlassen meine Eltern jedoch erneut zur Auswanderung: 2002 gehen beide zum Magisterstudium nach Osnabrück in Deutschland und nehmen mich und meinen kleineren Bruder mit in der Hoffnung, für uns eine europäische Bildung zu sichern.

Als Zehnjährige muss ich mich in Niedersachsen möglichst rasch anpassen und verdanke sehr viel meiner engagierten Deutsch-Förderlehrerin in der Orientierungsstufe: Sie perfektioniert meine Deutschkenntnisse innerhalb eines Jahres so, dass ich in der Theatergruppe am Stadttheater Osnabrück mittun kann. Kurz darauf verfasse ich handschriftliche Briefe, um mich als Schauspielerin zu bewerben, mit 12 Jahren werde ich als “Kikanierin der Woche” zum KiKa eingeladen und erkläre dort, eine große Schauspielerin werden zu wollen. Mein Sternzeichen: Löwin.

2005 wird mein Traum wahr. Der Regisseur der Kinofilmreihe “Die wilden Kerle” beschließt, eine Rolle für mich zu entwerfen, und ich verkörpere daraufhin das biestige Biest “Aysha, auf dem fliegenden Teppich”. Plötzlich bin ich tatsächlich eine bekannte Schauspielerin, der Film wird ein Riesenerfolg und mein Leben ändert sich radikal.

Nach dem Kinofilm spiele ich vier Jahre lang die Rolle “Layla Farsad” in der Kultserie „Schloss Einstein“. Noch heute treffe ich immer wieder auf junge Menschen, die mich „Layla“ nennen.
Nebenbei mache ich mein Abitur und singe auch in einer Rockband. Mein Tagesablauf beginnt um halb sechs, dann erstmal Schule, am Nachmittag ab zum Dreh und am Abend oft noch Proben oder Konzerte mit meiner Band. Im Sommer gehen wir mit dem Einstein-Team auf Tournee, mit Auftritten vor mehreren hunderttausend Zuschauern, Autogrammstunden und Interviews.

Bei einem offiziellen Empfang auf der Thüringer Zukunftskonferenz in März 2008 nutze ich die Chance und bitte Angela Merkel als jüngste Botschafterin Georgiens beim anstehenden NATO Gipfel in Bukarest Georgien beizustehen. Alle Anwesenden reagieren total verblüfft über die 15-Jährige, die offenbar Interesse an Politik hat und sich nicht scheut, aktiv zu werden.

Es ist Sommer 2008. Ich bin das erste Mal nach 2002 mit meinen Eltern in Georgien zu Besuch, als plötzlich an dem Tag unserer Anreise der Georgien-Russland Krieg ausbricht. Wir versuchen, so schnell wie möglich das Land zu verlassen, aber sind mittendrin. Der einzige Weg von Ost nach West führt durch das Kriegsgebiet. Mit meiner Kamera filme ich die Bombeneinschläge vor uns, das Feuer, die Zerstörung und unsere zerschossenen Scheiben. Wir fahren mit dem Auto durch einen Bombeneinschlag auf der Straße, mein kleiner Bruder klammert sich an meinen Arm und es wird heiß im Auto. In diesem Moment schwöre ich mir, wenn ich das überlebe, werde ich selbst aktiv und dafür sorgen, den Frieden zu erhalten. Meine Familie schafft es gerade noch, durch das Epizentrum zu fahren und später über die türkische Grenze zu kommen, aber dieser Moment hat mich geprägt.

Ich veröffentliche später in Deutschland und Georgien meine Erfahrungen und mache dort politische Statements in den Medien. Ich werde aktiv im Jugendparlament von NRW und Thüringen und beginne, mich noch stärker für die internationale Politik zu interessieren. Nach dem Abitur entscheide ich mich bewusst dafür, Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen zu studieren. 2013 lasse ich mein Leben als junges Teenageridol hinter mir und gehe nach Wien.

Ein völlig neues Leben beginnt. Ich schreibe gemeinsam mit einem Team von 12 jungen Autoren ein Buch mit dem Titel „Who, if not us?! A four step guide to empower Europe and our generation“ (2017 in deutscher Übersetzung erschienen) und ich engagiere mich mit Herr & Speer für die #FreeInterrail Initiative, die letztlich erfolgreich wird. Anfang 2017 hole ich die Pulse of Europe Bewegung nach Wien, bin sowohl mit den Menschen auf der Straße, als auch in zahlreichen Panels von Weissensee in Kärnten bis zum Chatham House in London. Mit dem Bürgerforum Europa bin ich seit 2018 in den österreichischen Regionen unterwegs (drei Österreich-Touren dieses Jahr) und bringe Europa den BürgerInnen näher. Für junge Menschen habe ich das Europe Lab Austria initiiert, das einen überparteilichen Raum für Europa-Aktivismus schafft und unsere Generation bestärkt, die Zukunft in die eigenen Hände zu nehmen.


Mein Kennzeichen: Wo ich hinkomme, ist meine Europaflagge dabei.
Was 2008 durch ein traumatisches Erlebnis ausgelöst wurde, ist heute mein Ziel geworden:
Das Friedensprojekt Europäische Union. Ich brenne dafür.




Nini Tsiklauri is an actress, writer, political activist and passionate European, who grew up in Hungary, Georgia and Germany. She studies Political Science and European Studies in Austria. Nini is also initiator of the #PulseofEurope movement Austria and founder of the innovative workshop ‘Europe Lab’ in Vienna. With the author group ‘The Young European Collective’ she publishes appeals to the young European generation, such as the most recent ZEIT article “Youth of Europe, Unite!” (2017). In addition, the book “Who, If Not Us?! A four step guide to empower Europe and our generation” (2015) was published in English as well as in German, “Wer, wenn nicht wir” (2017)